Interview mit Peter Spilles (Project Pitchfork) anlässlich seines Sideprojects IMATEM

Folgend  könnt Ihr Euch exklusiv deas Interview durchlesen, welches Lucy von Leibnitz mit Peter Spilles (Project Pitchfork) zu seinem Sideproject IMATEM  auf dem diesjährigem Amphi-Festival führte:


Lucy: Peter, ja Hallo erstmal!

PS: Hallo Lucy!

Lucy: Es ist super nett von Dir, dass Du Dir heute die Zeit genommen hast, Dich von mir ein wenig ausquetschen zu lassen.

Peter: Gerne doch.

Lucy: Bekannt geworden in der Szene bist Du als Frontmann von PP. Die Band ist sehr erfolgreich und das nimmt sicherlich auch viel Zeit in Anspruch. Wie kommt es denn, dass da noch Zeit für Nebenprojekte ist?

PS: Ich bin ja nicht nur der Frontmann, sondern auch der Hauptkomponist bei PP und ich habe einfach noch viel Kreativität übrig.

Lucy: Okay, und wenn ich jetzt den Namen von diesem Projekt etwas langsam lese, dann lese ich „im Atem“. Da liege ich doch richtig, oder?

PS: Ja, ganz genau. Es ist so eine Anwandlung darauf, dass man im Atem Gottes steht, wenn man am Leben ist. Und außerdem finde ich es witzig, wenn es zusammen geschrieben ist. Das hat klangtechnisch etwas vom Altägyptischen.

Lucy: Und angelegt ist dieses Projekt wie eine Reise, deren Ende noch offen ist. Was genau kann ich darunter verstehen?

PS: Bei diesem Projekt plane ich weniger, was die Gastsänger angeht. Für mich ist es wichtig, dass ich sie treffe, dass man sich versteht und dann erst frage ich. Aus diesem Grund ist das alles relativ offen, wer nun genau mit macht. Und wo das alles noch hinführen wird, ist auch noch völlig offen. Ich bin auch offen für Leute außerhalb der Szene. So würde ich zum Beispiel gern einmal etwas mit Thomas D. machen.

Lucy: Das ist eine gute Idee. Du hast dann also verschiedene Anfragen an Musiker und Musikerinnen gestellt. Haben denn alle Deine Einladung angenommen oder gab es da auch ein paar Absagen?

PS: Es ist nun mal so, dass die meisten Musiker einen ziemlich straffen Terminkalender haben. Von daher ist es teilweise problematisch, in der Kürze der Zeit etwas auf die Beine zu stellen. Konkret hatte ich für dieses Album auch Steve Naghavi angefragt. Er hatte allerdings leider keine Zeit gefunden, obwohl er den Song sehr geil fand. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Lucy: Und wie haben die Musiker auf Deine Idee reagiert?

PS lacht: Wie haben sie reagiert? Sehr unspektakulär eigentlich. Es ist einfach eine Frage meinerseits: „Hallo ich habe da ein Projekt IMATEM und suche Gastsänger, hast Du da nicht Lust einmal mitzumachen?“ Und dann: „Ja, davon habe ich schon einmal gehört und die ersten Songs fand ich ziemlich gut. Also warum nicht?“

Lucy: Wie entsteht dann so ein IMATEM-Song?

PS: Ich schreibe die Musik, dann bekommen die Musiker ein Demo, auf welches sie dann ihren Gesang aufnehmen. Anschließend bekomme ich die Files zurück und mische letztendlich den Song fertig. Manchmal verändert sich der Song dann noch ein bisschen.

Lucy: Die Texte kommen dann also von dem Gastmusiker?

PS: Ja, ganz genau.

Lucy: Das Projekt IMATEM ist ja eigentlich schon ein relativ vorgegebenes Thema ansich, Du kommst von „Home“ auf „Journey“. Da besteht ja schon ein gewisses Konstrukt.

PS: Ich habe es bewusst einfach gehalten. Es geht um essenzielle Sachen. „Home“ ist witziger Weise entstanden, als ich gerade umgezogen bin. Und das hatte einen ganz simplen Bezug. Während ich mich bei PP immer mit spirituellen Sachen beschäftige, ging es mir bei IMATEM einfach darum, ein bisschen konkreter zu sein.

Lucy: Darauf zielt ja auch meine Frage. Wie bekommst Du die Inhalte, die die Gastmusiker schreiben dann in ein Format?

PS: Jeder Musiker, den ich anspreche, hat ein gewisses Bild von mir oder von dem, was ich geschaffen habe. Es ist schon sehr witzig. Das reflektiert sich meistens, auch unbewusst.

Lucy: Also gibst Du dann ein grobes Thema vor?

PS: Ja. Der Arbeitstitel steht fest. Ich sage dann nur: „Pass auf, der Titel ist ‚Journey’, mehr will ich Dir nicht sagen.“ Bei „Home“ war es Thema sesshaft zu sein und bei „Journey“ war es eben „das Fliessen“.

Lucy: Das wird auch auf dem Cover so schön dargestellt.

PS: Ja genau. Silent view. Silentview.com. Schaut mal rein! Der Daniel und die Silke sind so was von fit, das ist der Hammer! Den beiden habe ich auch nur den Arbeitstitel verraten und sie haben sich voll ins Zeug gelegt und es ist Wahnsinn, was daraus für Fotos entstanden sind. Das Booklet ist wirklich sehr gelungen!

Lucy: Das sind die Fotos mit der blauen Sonnenbrille und der roten Blume, richtig?

PS: Ja, genau diese.

Lucy: Ich stelle es mir sehr schwer vor, ein Konzert zu organisieren.

PS: Ja, das ist sehr, sehr schwierig.

Lucy: Wird es denn so etwas einmal geben oder hat es dies sogar schon einmal gegeben?

PS: Letztes Jahr hatten wir auf dem Amphi gespielt. Da war es allerdings noch relativ durchführbar. Es waren nur vier Gäste und das ging. Aber das zu organisieren mit dem neuen Album, hmm, das wäre ja quasi das „Who is Who?“. Es wird wohl ziemlich schwierig werden das alles auf die Beine zu stellen. Ich hoffe, dass es vielleicht im nächsten Jahr auf erlesenen Festivals klappt, aber versprechen kann man da nichts.

Lucy: Also wir hoffen es alle mal. Dein Debütalbum war „Home“. Es erschien im Juni 2007. Wie zufrieden bist Du mit der Resonanz?

PS: Sehr zufrieden! Das habe ich komplett im Alleingang veröffentlicht. Und dafür, dass ich es mir gespart habe, Werbung jeglicher Art zu schalten, es also einfach so nebenbei gelaufen ist, war die Resonanz doch sehr stark und sehr gut. Und nicht zuletzt auch wegen der Gastmusiker. Da war zum Beispiel Der Graf dabei und ich war äußerst zufrieden mit der Resonanz.

Lucy: Anfang August erscheint ja nun Dein nächstes Album, namens „Journey“. Mit von der Partie sind ja zum Beispiel Sven Friedrich, Sara Noxx,  Stefan Grossmann und Ronan Harris. Wie sind diese Kontakte zustande gekommen? Hast Du einfach Einladungen raus geschickt?

PS: Einladungen habe ich keine versendet. Ich frage persönlich an. Ich treffe die Leute auf Parties oder auf Festivals.

Lucy: Na ja, man kennt sich ja dann auch schon so über die Jahre gesehen.

PS: Ja genau. Und dann fragt man da einfach und dann geht das seinen Gang. Was sehr schön ist, ist, dass ich bei diesem Album wesentlich mehr Gäste habe als ich es beim ersten hatte. Meine Arbeitsweise ist sehr schnell. Normalerweise hat man immer ein Jahr Vorbereitungen. Bei mir schrumpft das auf zwei Monate. Und dann ein Fenster zu finden, wo alle Zeit haben, um die Aufnahmen zu machen, das war schon eine große Glückssache. Deshalb bin ich bei dem Album „Journey“ sehr glücklich, dass es eben so ist, wie es ist, mit sehr hochkarätigen Gästen.

Lucy: Und wie sieht es mit Deinen Erwartungen aus?

PS: Erwartungen habe ich gar keine. Erwartungen habe ich einzig während der Produktionsphase. Dass ich versuche, etwas zu erschaffen, was mich musikalisch befriedigt und im besten Fall den Gastsänger auch. Meiner Meinung nach ist das gelungen. Und jetzt schauen wir einfach mal. Ich denke, wir haben da zehn super starke Songs und nun liegt es am Publikum, ob sie es mögen oder nicht.

Lucy: Wird denn die Reise danach zu Ende sein?

PS lacht: Nein, es geht immer weiter! Wie gesagt, ich habe schon einige Leute gefragt, die ich gerne für das dritte Album hätte. Und dann gibt es vielleicht Möglichkeiten mit D.A.F. etwas zu machen. Und außerdem gibt es noch genug andere gute Künstler, die ich gern einmal mit meiner Musik verbinden würde.

Lucy: Hmmm, jetzt hast Du mir meine nächste Frage direkt aus dem Mund genommen, Peter.

PS: Echt?

Lucy: Ja, diese wäre jetzt gewesen, welche Künstler Dir noch so im Kopf herum schwirren.

PS: Also Steve Naghavi hatten wir ja schon genannt. Alexander Veljanov hätte ich zum Beispiel auch ganz gerne beim nächsten Mal dabei. Ihn kenne ich auch schon seit Jahren. Da ist allerdings wieder das Terminproblem, denke ich. Aber ich habe ihn bisher auch noch nicht persönlich gefragt. Das muss ich dann wohl mal machen. Ansonsten könnte ich mir Emely Autumn noch ganz gut vorstellen. Und ein ganz großer Traum wäre ja auch Björk. Aber an die Frau kommt man ja nicht ran ….

Lucy: Was bedeutet Musik für Dich?

PS: ALLES! Musik ist alles. Musik ist eine universelle Sprache, die die Kraft hat, alles zu verbinden.

Lucy: Ein guter Spruch, den muss ich mir mal merken😉 Was denkt Deine Familie über Deine Karriere als Musiker?

PS: Das ist unterschiedlich. Peter lacht. Ich mache das ja nun schon ein paar Jahre. Am Anfang hieß es immer: „Junge, mach etwas Vernünftiges! Darauf kannst Du doch nicht zählen!“ und „Das ist doch nichts für die Zukunft!“. Mittlerweile ist es akzeptiert und die Familie ist relativ stolz.

Lucy: Da fällt mir gerade ein, dass Du früher auf dem Hamburger Kiez immer Deine Tapes verscheuert hattest. Hast Du denn damals schon mit solch’ einem Erfolg gerechnet?

PS: Nein. Wir hatten uns auch nur kleinere Ziele gesetzt und hatten auch nie zu viel erwartet. Wir wollten anfangs gern so bekannt werden wie Girls Under Glass. Danach kam „Hach so groß wie Virtuell Spirit würden wir auch gern einmal sein! Und wenn wir das erreichen, dann wäre das schon ganz gut!“ Und dann hatten wir auch das Glück und dazu noch die tollen Fans, die es uns ermöglicht haben, es Jahr für Jahr weiter zu machen und v. a. auch weiter zu wachsen. Und dafür sind wir den Fans sehr dankbar!

Lucy: Wo wir gerade beim Thema „von Jahr zu Jahr“ sind, habe ich doch gleich die nächste Frage: Hat sich denn szenetechnisch etwas geändert über die Jahre?

PS: Auf jeden Fall. Die Szene verändert sich jedes Jahr. Als Szenegänger selber bekommt man das ja auch mit. Es tauchen Leute auf, die eine Zeit lang Musik machen. Dann passiert etwas in ihrem Leben. Entweder sie haben einen neuen Job oder heiraten und sie verabschieden sich quasi wieder aus der Szene. Selbst was die Klamotten angeht. Vielleicht hören sie dann noch ein bisschen Musik. Es ist ein konstanter Fluss. Es fließt die ganze Zeit. Die Szene ist natürlich auch extrem gewachsen. Als wir Ende der 80er im Hamburg herumgegeistert sind, war die Szene doch noch recht klein und sehr überschaubar. Um eine Konzerthalle zu füllen, mussten wir damals Leute aus Bremen und Kiel einladen, damit überhaupt 100 Leute zusammen kamen. Mittlerweile ist die Schwarze Szene Mainstream. Sie ist, glaube ich, die größte Kultur, die es je überhaupt gab. Was vielleicht auch daran liegt, dass wir von den großen Medien relativ „in Ruhe“ gelassen und auch mit Missachtung gestraft werden. Auf der einen Seite ist das natürlich ärgerlich, auf der anderen Seite jedoch ist das auch der Grund, weshalb diese Szene so schön wachsen konnte.

Lucy: Ja unsere Szene war immer ein totes Thema für die Öffentlichkeit.

PS lacht: Ja klar, ein totes Thema. Man beschäftigt sich innerhalb dieser Szene mit tieferen Sinnen, eben auch mit dem Tod und den Leiden des Lebens generell. Das sind natürlich Themen, bei welchem die Autonormalverbraucher die Augen verschließen. Ja es ist eben ein totes Thema.

Lucy: Die illegale Kopiererei ist in den letzten Jahren straff angestiegen. Die Verkaufszahlen gehen dadurch extrem zurück.

PS: Ja, sehr extrem.

Lucy: Wie motivierst Du Dich als Musiker, wenn man von der Musik auch noch leben muss, immer und immer wieder weiter zu machen?

PS: Ich glaube, alles ist momentan in einer Phase, in welcher sich irgendetwas verschiebt. Das Phänomen „Internet“ ist allein schon geschichtlich gesehen eine vollkommen neue Sache. Es ist wie die Erfindung des Buchdrucks. Auf der einen Seite wird deine Musik weltweit herunter geladen, auch in den entferntesten Winkeln des Planeten. Wahrscheinlich hätten sie dort gar nicht die Möglichkeit an die CD heranzukommen. Es ist schon sehr merkwürdig. Man ist dadurch auch wesentlich bekannter. Auf der anderen Seite kommt man aber dahin zurück, dass ein Künstler unter einem Dach lebt und gerade mal ein Bettchen hat. Aber gerade das macht irgendwie schon wieder einen gewissen Reiz aus. Ich hätte gar keine Lust dazu, mich in ein Büro zu setzen und Kohle zu schäffeln. Das ist es nicht wert. Mir geht es darum, dass ich das machen kann, was ich möchte. Ich möchte Musik machen und wenn die Menschen sich das dann anhören und Gefühle haben, dann ist das doch auch ganz schön. Und wenn ich dann noch meine Miete zahlen kann, dann ist das super toll! Und mehr möchte ich eigentlich gar nicht. Um noch einmal zum Thema zurückzukommen. Vor der CD gab es die Platte. Es gab also schon immer Umbruchphasen. Und ich finde es eigentlich schade, dass es mittlerweile kaum noch etwas zum Anfassen gibt. Ich denke, das wird sich alles wieder verändern, sobald sich quasi jeder so etwas wie einen I-Pod oder ein I-Phone zugelegt hat. Und darauf wird es hinaus laufen. Und dann gibt es wieder neue Möglichkeiten.

Lucy: Hast Du so etwas schon?

PS: Nein.

Lucy: Siehst Du, ich auch nicht. Okay, dann kommen wir doch langsam mal zum Schluss. Meine abschließende Frage lautet, welche drei CDs Du Dir in letzter Zeit gekauft hast.

PS: Ohhh. Zombie Girl, Combichrist, ach und Mono Inc. habe ich mir tatsächlich zugelegt.

Lucy: Dann recht herzlichen Dank für dieses nette Interview. Dann wünsche ich Dir für nachher viel Spaß für Deinen PP-Auftritt und überlasse nun die letzten Worte einfach mal Dir. Vielleicht liegt Dir ja noch irgendetwas auf der Seele, was Du schon immer einmal loswerden wolltest.

PS: Ja da wäre etwas, was ich an die Fans richten möchte: Falls Ihr jetzt schon wieder seit mehreren Stunden am Computer sitzt, schaltet die Kiste einfach mal aus. Geht raus spazieren oder besucht einfach mal wieder Euren Friedhof und macht Parties! Tschüß!

Lucy: Tschüß!

www.promofabrik.de

www.myspace.com/imatem

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